Christof Zotter

Asketen auf Zeit
Das brahmanische Initiationsritual der Bāhun und Chetrī im Kathmandu-Tal

Auch nach ihrer Einpassung in die Reihe lebenszyklischer Rituale (saṃskāra) im ersten vorchristlichen Jahrtausend wurde die brahmanische Initiation (upanayana) überarbeitet und uminterpretiert. Heute wird sie beim vratabandha zusammen mit drei weiteren saṃskāras nebst Vor- und Rahmenritual vollzogen.

In diesem Buch wird mit einer Kombination von Textstudien und Feldforschung für eine bestimmte vedische Schule (den Weißen Yajurveda) und einen konkreten Kontext (das vratabandha der nepalischen Bāhun und Chetrī) untersucht, nach welchen Prinzipien Elemente verschiedener Ritualformen (saṃskāra, pūjā, homa etc.) kombiniert und an veränderte Zeiten und Situationen angepasst werden.

Die detaillierte Analyse der Form liefert auch einen Schlüssel zur Interpretation des komplexen Ereignisses vratabandha, in dem der Initiand vorübergehend zum Asketen wird, um an das Ritual herangeführt zu werden.

Markus Schleiter

Die Birhor - Ethnographie und die Folgen
Ein indischer "Stamm" im Spiegel kolonialer und postkolonialer Beschreibungen

Die Birhor sind eine indische "Stammesgruppe". Bekannt sind die Birhor als Spezialisten für Seilherstellung, Affenjagd, Heilkräuter und andere Waldprodukte. In diesem Buch untersucht der Autor die ethnographischen Darstellungen dieser Gruppe über Ansätze der Postcolonial Studies und zeigt dabei Widersprüche, aber auch erstaunliche Gemeinsamkeiten von den ersten kolonialen Berichten seit 1865 bis hin zu den neuesten Ethnographien. Anhand einer eigenen einjährigen „Teilnehmenden Beobachtung“ in deren Siedlungen deckt der Autor auf, dass diese Beschreibungen der Birhor – unter anderem als „unschuldige“ und „fröhliche“ „Jäger und Sammler“ – erhebliche ambivalente Konsequenzen für diese selbst haben. Diese Auswirkungen stehen in engem Zusammenhang mit der staatlichen Entwicklungsarbeit Indiens und umfassen Todesfälle durch Malaria.

 

Anna Martin

Übersetzung als kultureller Transfer
Eine Untersuchung persischer Versionen des indischen Vikrama-Erzählzyklus

Über den indischen König Vikrama, der den Idealtypus eines gerechten und aufopferungsvollen Herrschers verkörpert, liegt eine Reihe von Erzählungen in verschiedenen indischen Sprachen vor. Daneben finden sich auch persische Fassungen aus der Zeit, als Persisch in Indien für mehrere Jahrhunderte als Literatur- und Verwaltungssprache genutzt wurde.

Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit diesen persischen Versionen. Im Fokus der Betrachtung steht eine Bearbeitung aus dem 17. Jahrhundert, die der Autor Kišandās erstellte und „Kišans Unterhaltungsstück“ (Kišanbilās) nannte.  Die persischen Versionen werden sowohl hinsichtlich ihrer Orientierung an den Sanskritrezensionen der Vikramageschichten, als auch im Gesamtkontext persischer Literatur in Indien analysiert. Dabei steht die Frage nach der Anpassung an intendierte Rezipienten und dem Vorgehen der Übersetzer bzw. Bearbeiter im Vordergrund.

Matthias Schmidt, Alexander Follmann, Julia Poerting (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien
7. Jahrestagung des AK Südasien, 27./28. Januar 2017, Augsburg

Geographien Südasiens, Band 8

Extended Abstracts der 7. Jahrestagung des AK Südasien, 27./28. Januar 2017 in Augsburg.

Weitere Informationen zur Reihe finden Sie HIER.

Jürgen Neuß

Māndhātr̥durga
A Preliminary Catalogue of the Historic Monuments at Oṃkāreśvar-Māndhātā

Mit Māndhātr̥durga – A Preliminary Catalogue of the Historic Monuments at Oṃkāreśvar–Māndhātā legt Jürgen Neuß erstmals einen umfassenden Überblick über die erhaltenen historischen Überreste in Oṃkāreśvar-Māndhātā, dem wichtigsten hinduistischen Pilgerort im Narmadā-Tal vor. Obschon der Ort bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als archäologische Fundstätte bekannt ist, wurde bis heute übersehen, dass die historischen Überreste weit umfangreicher und in sich geschlossener sind, als die wenigen publizierten archäologischen Berichte, die sich zudem nur mit wenigen Einzelbauwerken beschäftigen, vermuten lassen. Dieses Buch liefert den lange überfälligen Überblick über das gesamte Areal, das im wesentlichen aus drei historischen Siedlungsbereichen besteht. In deren Zentrum steht eine wohlstrukturierte Festungsanlage, Māndhātr̥durga, die die einzige erhaltene befestigte Stadtanlage der Paramāras of Dhāra im gesamten Narmadā-Tal darstellt

Melissa Bayer

Large-scale land acquisitions in rural Cambodia
The case of Samot Leu Village in Lumphat District, Ratanakiri Province

Berlin Geographical Papers, Band 47

The mechanism of granting Economic Land Concessions (ELCs) to (inter-)national investors for agro-industrial exploitation was the starting point of a wave of large-scale land acquisitions in Cambodia since the Royal Government of Cambodia (RGC) issued a respective directive in 2005.

While ELCs are supposed to combine overall economic benefits on the one hand with poverty reduction and the compliance with environmental standards on the other hand, it turned out that there is a wide gap between the legal framework, which is supposed to govern the granting of ELCs, and its actual implementation on the ground. Eventually, the granting of ELCs led to severe human rights violations and several land conflicts, involving the local population, investor companies, political and economic elites as well as authorities. This situation is especially difficult for the Indigenous Peoples of Cambodia, who not just struggle to claim rights to their lands, but for whom land is also an essential component of livelihood.

Drawing on a literature review and the results of a two-month field study, this thesis aims at shedding light at the relationship between different actors of society and land as a resource in the context of asymmetrical power constellations within the land conflict of Samot Leu Village in Seda Commune, Lumphat District, Ratanakiri Province.

Marc Herter

Development as Spectacle: Understanding Post-War Urban Development in Colombo, Sri Lanka
The Case of Arcade Independence Square

Geographien Südasiens, Band 7

Diese Studie untersucht die nachkriegszeitliche Stadtentwicklung in Colombo. Auf der Grundlage von Guy Debords Buch mit dem Titel Die Gesellschaft des Spektakels wird die Thematik der Neugestaltung der urbanen Landschaft als Konsumlandschaft einer postindustriellen Gesellschaft aufgegriffen. Im internationalen Standortwettbewerb um Ansehen und Geschäftsinvestitionen greifen Stadtplaner vermehrt auf Stararchitektur als Werkzeug zur Markenbildung eines Standorts zurück. So erhofft sich das nachkriegszeitliche Sri Lanka von den größten sozialen Herausforderungen betreffend ethnischer Segregation, Armut oder Ethno-Nationalismus mittels eines durch infrastrukturelle Großinvestitionen induzierten Wirtschaftswachstums ablenken zu können. Anhand von Arcade Independence Square, eines neu entwickelten luxuriösen Einkaufszentrums in Colombo, zeigt diese Studie auf, wie die Regierung mit ihrer nachkriegszeitlichen Stadtentwicklungsagenda von solchen Problemen abwenden will.

Sarah Hartmann

The Work of Medical Travel Facilitators
Caring For and Caring About International Patients in Delhi

Geographien Südasiens, Band 6

„Medical travel facilitators“ spielen eine wichtige Rolle in der Realisierung transnationaler Gesundheitsmärkte, denn sie unterstützen Personen auf der Suche nach medizinischen Behandlungen im Ausland. Über ihre Arbeit an Medizintourismus-Destinationen wie Delhi in Indien ist bislang aber nur wenig bekannt.

Ethnographische Forschung zeigt, dass „medical travel facilitators“ in Delhi ein breites Tätigkeitsspektrum abdecken, um PatientInnen umfassend und individuell zu unterstützen. Ihre Arbeit, so die Argumentation, kann als Care-Arbeit konzeptualisiert werden. Dabei kümmern sie sich nicht nur um das allgemeine Wohl der PatientInnen, sondern umsorgen diese auch auf bemerkenswert aufmerksame und hingebungsvolle Weise. Die in einem geschäftlichen Rahmen ausgeführten Praktiken zeigen, wie eng verflochten ökonomische Prinzipen und Care-Logiken sein können und stellen damit die oft gezeichnete Dichotomie zwischen kalter Wirtschaft und wohlwollender Lebenswelt in Frage.

Martina Franke

Hoffnungsträger und Sorgenkind Südasien
Westdeutsche Betrachtungen und Begegnungen zwischen 1947 und 1973

Mit Indien und Pakistan waren unterschiedliche und sich verändernde Erwartungshaltungen verbunden. Mediale Akteure und Akteurinnen – u.a. Hans Walter Berg, Immanuel Birnbaum, Thilo Bode, Klaus Natorp, Giselher Wirsing und Marion Gräfin Dönhoff – trugen ihre Sichtweisen von Südasien in die Medienöffentlichkeit der aufstrebenden deutschen Bundesrepublik. Sie erlauben dadurch nicht nur einen Einblick in die Austauschbeziehungen zwischen Medien und Politik, sondern auch in kollektive gesellschaftliche Selbstbeschreibungsprozesse in der komplexen Zeitperiode von Dekolonisation, Kaltem Krieg und geteilter deutscher Wirklichkeit.

Der Fokus dieser Studie liegt auf der Wahrnehmung der Länder Südasiens in einer sich wandelnden westdeutschen politischen Öffentlichkeit. Die medial transportierten Bilder von Jawaharlal Nehru, dem ersten indischen Ministerpräsidenten, und die Sichtweisen auf Ereignisse wie den indisch-portugiesischen Konflikt um Goa oder die deutsch-indische Zusammenarbeit am Stahlwerk in Rourkela verdeutlichen unterschiedliche Perspektiven. Die Wahrnehmung der politischen Entwicklung in Südasien bis Anfang der 1970er Jahre stand im Zusammenhang mit den Debatten um die Vergabe und Verwendung von Entwicklungshilfe. Dabei prägten generationelle Zugehörigkeiten und unterschiedliche Lebenserfahrungen die Eigen- und Fremdwahrnehmung.

In einer Phase des globalen gesellschaftlichen und politischen Wandels und eines Krisengefühls in der westdeutschen Gesellschaft in den Jahrzenten nach dem Zweiten Weltkrieg diente Südasien der Verdrängung der eigenen Schuld, war Hilfe in der Identitätskrise und gab Orientierung und Stabilität bei Demokratisierung und Wirtschaftswachstum.

Oliver Corff

A Bibliography of Online Resources on Chinese Strategy, Security and Military Matters
Version 6.2, December 27, 2016

Die hier vorgestellte Bibliographie entstand ursprünglich als Hilfsmittel für laufende Forschungsarbeiten. Sie ist nicht abgeschlossen, sondern wird in regelmäßigen Abständen überarbeitet und ergänzt.

Demnächst

Rafael Klöber, Manju Ludwig (Hrsg.)

HerStory – Historical Scholarship between South Asia and Europe
Festschrift in Honour of Gita Dharampal-Frick

Die Festschrift zu Ehren von Professor Dr. Gita Dharampal-Frick vereint eine Vielzahl an innovativen Beiträgen von Freunden, Kollegen und ehemaligen Studierenden zu den vielschichtigen Forschungsgebieten der Geschichte Südasiens, die Gita Dharampal-Frick in den letzten Jahrzehnten bereichert hat. Der Band deckt mehrere Jahrhunderte und facettenreiche Themen ab, die von transkulturellen Begegnungen zwischen Südasien und Europa, über Aspekte des kolonialen Diskurses (wie etwa der kolonialen Wissensproduktion oder der Aushandlung von Identitäten), wegweisende Ansätze der maritimen Geschichte des Indischen Ozeans bis hin zu vielfältigen Perspektiven auf M. K. Gandhi reichen.